Vielfältiges Potential

 

In der Forstwirtschaft spielte die Ulme bislang nur eine geringe Rolle. Dabei gibt es gute Argumente, die Ulme verstärkt auch dort einzusetzen. Neben ihrem schnellen Wachstum besticht sie durch ihr hartes, dauerhaftes und schön gemasertes Holz, dass sowohl für Außenbereiche als auch für die Möbelproduktion hochwertige Rohstoffe liefert.

Außerdem machen Klima – und Standorttoleranz die Ulme zu einem Baum, der mit immer rascher stattfinden klimatischen Verschiebungen und veränderten Niederschlagsmuster weitaus besser zurechtkommt als viele andere heimische Bäume.
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Ulmen für Forst und Landschaft

Ulme ist eine Pflanzenart, bei der es Wissenschaftlern bis heute nicht gelungen ist, sich auf eine einheitliche Taxonomie zu verständigen. Dies hängt auch damit zusammen, dass sich die einzelnen Ulmenarten untereinander leicht kreuzen, so dass in der freien Natur Zwischenformen eher die Regel als die Ausnahme sind. Ulmen produzieren reichlich Samen, lassen sich in der Baumschule aber auch leicht vegetativ vermehren. Weltweit gibt es eine große Breite verschiedenster Unterarten und Formen. Das Auftreten der tückischen Ulmenkrankheit (Ophiostoma ulmi) zu Beginn des 20ten Jahrhunderts war Anlass zu intensiver Zuchtarbeit, vor allem in Holland und in den USA, aber auch in Italien, England, Frankreich und Deutschland. Ziel war es, Ulmen zu finden, die gegen diese Krankheit mehr oder weniger resistent sind. Denn eine andere sinnvolle Möglichkeit, die Krankheit zu heilen, konnte bisher nicht entwickelt werden. Lediglich in Canada wurde ein Impfstoff gefunden, der allerdings alljährlich appliziert werden muss. Dies ist teuer und lohnt ich nur für ganz wenige wertvolle Ulmen in Parks.

Bei der Überprüfung der Resistenz ergab sich, dass vor allem Arten und Formen von Ulmen aus dem asiatischen Raum (Japan, China) mit der Krankheit fertig werden konnten. Es steht zu vermuten, dass es sich um eine im asiatischen Raum heimische Krankheit handelt, die nach Europa und Amerika exportiert wurde, wo die Ulmen in den vergangenen Jahrhunderten oder Jahrtausenden keine Abwehrstrategie entwickeln mussten.

Aus verschiedenen Gründen kann man die europäischen Ulmen nicht einfach durch asiatische ersetzen. Mit der Zuchtarbeit wollte man Ulmensorten finden, die dem Typ der europäischen oder amerikanischen Ulmen nahe kamen. Zu den spezifischen Zielen zählten die Architektur, der Habitus des Baumes, die Robustheit und Schnellwüchsigkeit, die Widerstandskraft gegen Wind und Wetter. Es kamen hinzu die Resistenzen gegen negative Umwelteinflüsse im Stadtklima (kleine Baumscheiben, Umweltgifte in der Luft, Toleranz gegen Tausalze usw.) Sowohl in Holland als auch in der USA, und kürzlich auch in Italien und Frankreich wurden entsprechende Sorten geschaffen, insgesamt weniger als 60, die etwa seit 1960 in immer größeren Stückzahlen ausgepflanzt wurden und werden.

Sie wurden europaweit gepflanzt in Städten als Park- und Straßenbäume, in der Landschaft ebenfalls als Allebäume, aber auch – vor allem im Westen Frankreichs – zur Anlage von Hecken, und schließlich auch im Wald. Es ist bemerkenswert, dass die Ulme im Forst – jedenfalls bislang – keine große Rolle spielt, denn sehr vieles spricht für die reisitenten Ulmen in der Forstwirtschaft.

Hierzu ein paar Argumente:

Das Ulmenholz (Rüster) ist sehr wertvoll als Möbelholz wegen seiner Härte und der schpönen Maserung. Früher wurde es verwendet zur Herstellung von Werkzeugen, Rädern, Booten; die Rialtobrücke in Venedig steht seit vielen hundert Jahren auf 12.000 Ulmenpfählen. Das Holz wird wegen der Knappheit immer teurer. Die Ulmen wächst sehr schnell. Einige der resista® Ulmen haben bereits nach 25 Jahren einen Stamm-Umfang von über 140 cm erreicht.

Es sieht so aus, als hätten viele Baumarten in den letzten Jahren mit den veränderten Umweltbedingungen, aber auch mit Krankheiten sehr zu kämpfen: Eschen, Eichen, Kastanien, Platanen. Bei diesen Arten beginnt jetzt die Züchtungsarbeit. Bei den Ulmen hat es mehr als 50 Jahre gedauert, bis wirklich brauchbare Sorten erhältlilch waren. Es würde zu weit führen zu erklären, warum es 30 oder mehr Jahre braucht, bis eine Neuzüchtung beurteilt werden kann. Auch die moderne Gentechnik kann diese Zeitspanne nur um höchstens 5 Jahre verkürzen.

Warum ist es nur schwierig, die neuen Ulmenzhüchtungen im Forst zu finden? Zum einen ist es die Scheu vor der genetischen Verarmung, weil man ja einen vegetativ vermehrten Klon pflanzt. Es stehen aber durchaus verschiedene Sorten zur Verfügung, die außerdem durchaus Pollen und Samen produzieren und ein genetisch breites Spektrum in der nächsten Generation liefern würden. Prof. Gene B. Smalley, einer der profiliertesten Ulmenzüchter, sagte einmal, dass sein Traum sei, daß durch seine Züchtungen durch freie Kreuzung mit heimischen, für die Ulmenkrankheit anfälligen Ulmen, neue, angepasste Ulmen in den Wäldern entstehen. Dieser Traum scheint sich derzeit zu verwirklichen. Wir haben in der Nachbarschaft unserer Baumschule Ulmen gefunden, deren Mutter sicher eine resista® Ulmen, deren Vater unbekannt ist, und die sich in unseren Resistenz-Tests als hoch-resistent zeigten.

Und warum müssen es heimische Ulmen sein? Sie sterben schon in jungen Jahren an der Ulmenkrankheit und damit sterben auch viele Insektenarten, die auf die Ulme angewiesen sind. Zu den resista® Ulmen gehört auch die Sorte ’Sapporo Autumn Gold’, Prof. Smalley’s erste Sorte. Einige diese Ulmen wurden in der zweiten Hälfte der 80iger Jahre Im Wald in der Pfalz gepflanzt. 1995 entdeckte Forstdirektor Kettering aus Bellheim dort den Ulmenblattkäfer, von dem man angenommen hatte, dass ermonphag an der Feldulme lebt.

Ambivalent ist der Begriff „heimisch“ auch deswegen geworden, weil die Klimaänderung offensichtlich so schnell und deutlich werden wird, dass vor allem die Bäume keine Chance haben werden, sich rechtzeitig anzupassen: Bäume brauchen 15 bis 70 Jahre, bis eine neue Generation im Wald aufwächst. Dann kann das Klima in Hessen schon dem in Ungarn heute gleichen. Also wären dann die heute dort wachsenden Bäume hier heimisch. Auf dieses Faktum sollten meiner Meinung nach Forstpolitik und Forstpraxis unverzüglich Rücksicht nehmen. Naturverjüngung allein kann es nicht mehr sein – der Mensch muss hier gezielt helfen durch begleitende Anpflanzung von nicht-heimischen Herkünften und Arten, die sich in den kommenden Zeiten hier heimisch fühlen können.

C H R I S T O P H   E I S E L E   /   F E B R U A R   2 0 1 7